Das Studiogebäude
Ein spannender Tag beginnt: ich bei Bernd, Chili und Briegel! Ich soll tatsächlich
diese Dreierbande kennen lernen und zusehen, wie sie eine Folge aus der neuen CHILI
TV-Staffel drehen, dabei sein, wenn sie einen Song singen, live miterleben, wie Bernd sein
berühmtes "MIST!" sagt. Mit entsprechender Vorfreude steuere ich das
Studio-Gelände in Berlin-Adlershof an und erwarte dort ein ultramodernes, gigantisches
Gebäude, in dem sich die Studios befinden würden. Aber Pustekuchen - weit und breit ist
nichts von einem solchen Haus zu sehen. Nach einigem Suchen finde ich dann den Ort mit den
Studios D bis E, wie ein schlichtes Schild verrät. Außer einer großen Flagge am Eingang
ist von Bernd und Co. von außen nichts zu entdecken. Meine freudige Frage beim Pförtner,
wo es hier zu Bernd geht, ruft Staunen hervor. Ich hake nach und frage, ob
hier Bernd sein Studio habe. "Bernd wer?" und ein Blick ins
Mitarbeiterverzeichnis auf der Suche nach einem Herrn Bernd ist die Reaktion. Zum Glück
kommt in diesem Moment jemand rein, der sich im Haus auskennt und mich mitnimmt. Ich lande
in einem ewig langen Gang, in dem sich das Studio befindet.
Die Kantine
Das erste, was mir an diesem Gang auffällt, ist eine kleine Kantine mit Plätzen im
Raum und auf dem Gang. Scheinbar ist dies das "Nervenzentrum" des Studios, denn
hier wieseln etliche Leute hin und her, trinken Kaffee, essen etwas oder quatschen. Da es
noch recht früh am Morgen war, kam mir das leckere Frühstück gerade recht. Später dann
gab es hier auch ein Mittagessen. Was mir dabei auffällt: keiner drängelt vor, jeder
stellt sich ganz normal an - der "kleine" Statist genauso wie der Regisseur oder
die prominenten Gäste - wie eine große Familie. Nur Bernd, Briegel und Chili habe ich
niemals in der Kantine gesehen - aber ich nehme mal an, die haben ihre eigene Garderobe,
wo sie etwas essen oder (im Fall von Bernd) ihre Mehlsuppe schlürfen können...

Nach der Frühstücksstärkung schaute ich mir einige Dekorationen aus CHILI TV an, die
auf dem Gang vor dem Studio stehen - plötzlich spricht jemand hinter meinen Rücken und
sagt "Noch ein Bekloppter mehr im Studio?". Ich drehe mich um - und mich trifft
fast der Schlag: da steht ER. Er schaut mich ganz lässig an, seine kurzen Arme bewegen
sich kaum, seine Augen starren mich an. Ich glaube, ich wurde ganz rot im Gesicht vor
Aufregung und stammelte nur irgendwas vor mich hin, was Bernd allerdings nichts
auszumachen schien, vielleicht ist er ja ein solches Verhalten gewöhnt, wer weiß?
Jedenfalls sagte er nur "Wenn Du dabei sein willst, wie sich ein Kastenbrot mal
wieder vor der halben Fernsehnation lächerlich machen muss, dann lauf mir einfach
hinterher", drehte sich um und ging mit einem tiefen Seufzer ins Studio. Natürlich
habe ich mir das nicht zweimal sagen lassen (vor allem, wenn Bernd es sagt) und so folgte
ich ihm und betrat das Allerheiligste:
Das Studio
Erst einmal ist alles ganz dunkel, wenn man das Studio durch eine riesige schwere Tür betritt. Später erfahre ich, dass das so sein müsse: wenn irgendwo unkontrolliert Licht in das Studio fällt, kann es die Kameraaufnahmen mächtig stören. Und die Tür wird dann geschlossen, wenn im Studio eine Aufnahme gemacht wird. Dann leuchtet draußen auf dem Gang auch ein rotes Licht auf, damit jeder weiß, dass er nicht mehr ins Studio darf. Das ist notwendig, damit sich Bernd und die anderen auf den Dreh konzentrieren können, aber auch, damit nicht Lärm oder Geräusche vom Gang oder der Kantine ins Studio kommen, denn im Studio selbst wird während des Drehs bereits so gesprochen, wie es später im Fernsehen zu hören ist. Und da wäre Tellerklappern von der Kantine sicher nicht schön, wenn Bernd gerade mal wieder explodiert oder singt...
Ist man erst mal im Studio, dann kann man nur noch staunen. Ich habe es mir wesentlich
größer vorgestellt, aber das Studio ist nur 635 Quadratmeter groß, das entspricht
ungefähr der Strafraumfläche beim Fußball. Dafür ist es hoch, fast 7 Meter! Fast der
gesamte Platz ist von der Dekoration ausgefüllt. Heute wird eine Szene für "Rockt
das Brot 2" in einer Fußballkneipe gedreht. Man sieht eine (echte!) Theke,
Stehtische für die Fans und eine Bühne, auf der Bernd mit seiner Band auftreten wird.
Alles sieht so aus, wie man sich halt ein Fußballerheim vorstellt - selbst Aschenbecher
und ein Stammtischschild wurden auf den Tischen verteilt. Der große Unterschied zu einer
echten Kneipe aber ist das Licht: bis zu 104 Scheinwerfer leuchten das kleine Studio aus -
dementsprechend hell (und heiß!) ist es dort. Da würde sich wohl kaum ein echter
Fußballfan wohl fühlen, wenn so viele Scheinwerfer auf ihn gerichtet werden... Hier ist
es aber notwendig, damit später im Film keine hässlichen Schatten entstehen.

Am Rand der Dekoration stehen zwei Kameras und seitlich stehen Stühle mit Monitoren davor und auf einem der Stühle steht "REGIE". Aha, denke ich, während ich dahin ging, da dürfte der wohl wichtigste Mensch hier sitzen, nämlich
Der Regisseur
Irgendwie habe ich mir Regisseure bisher immer mit einem Rauschebart vorgestellt, die
nervös hin und her flitzen und die ganze Zeit durch eine dieser Flüstertüten sinnlose
Sachen herumschreien. Der Typ, der auf dem Regie-Stuhl sitzt, war genau das Gegenteil:
kein Rauschebart, keine Flüstertüte und die Ruhe selbst. Mein erster Gedanke war, dass
sich hier einfach einer der Mitspieler hingesetzt hat, doch es ist, wie sich
herausstellte, wirklich Tommy, der Regisseur. Und er zieht mir gleich noch einen
Zahn: nicht nur, dass meine Vorstellungen vom Aussehen eines Regisseurs falsch sind,
sondern auch die Meinung, er sei der wichtigste Mensch im ganzen Studio. Kein Regisseur
der Welt, so sagt nämlich Tommy, könnte allein einen Film drehen - dazu braucht er seine
Schauspieler, Beleuchter, Tonleute, Dekorateure, Redakteure und und und... Und jeder
Regisseur ist auf die gute Arbeit all dieser Leute angewiesen, denn ohne diese kann kein
guter Film entstehen. Und richtig - in dem Studio rennen eine Menge Leute herum, die
unterschiedliche Aufgaben haben: da schminkt gerade eine junge Frau einem Statisten das
Gesicht, ein großer Mann schleppt ein Schlagzeug auf die Bühne, ein weiterer Mann
richtet mit einer riesenlangen Stange einen Scheinwerfer aus. und ein junger Mann sitzt
auf dem Stuhl neben dem Regisseur und liest in irgendwelchen Schreibmaschinenseiten. Das,
so sagt Tommy zu mir, ist Daniel und der sei
Der Redakteur
Ein Redakteur, so erfahre ich dann von Daniel, sei derjenige, der die Verbindung
zwischen dem Auftraggeber und den Filmleuten hält. In Sachen Bernd bedeutet das, dass der
KI.KA Tommy und seinen Kollegen den Auftrag gegeben hat, eine neue Folge von CHILI TV zu
drehen. Sie haben sich schon lange vor der Aufnahme zusammengesetzt und ein Drehbuch
entwickelt. In einem solchen Drehbuch steht nicht nur die Geschichte, die verfilmt wird,
sondern dort stehen auch sämtliche Anweisungen an die Schauspieler. Wenn also in der
Geschichte Bernd auf der Bühne steht und "MIST!" sagt, so steht im Drehbuch
"Bernd geht auf die Bühne, bleibt stehen und schaut in die Kamera. Dann sagt er
"MIST!". Ein solches Drehbuch bekommt jeder Schauspieler und der Regisseur und
jeder muss sich daran halten. Im Studio überwacht Daniel dieses Drehbuch, greift also
ein, wenn aus Versehen sich jemand nicht ans Drehbuch hält und der Regisseur das im Eifer
des Gefechts nicht bemerkt.

Der Dreh
konnte endlich beginnen. Ich hatte bisher immer gedacht, die Schauspieler legen los,
die Kameras nehmen das auf und fertig - aber diese Annahme war ganz falsch. Jede Szene
(das sind die einzelnen Spielteile in einem Film) wurde immer und immer wieder neu
gemacht, bis der Regisseur endlich zufrieden ist. Mir war das ein Rätsel - denn im
Theater können die Schauspieler ja auch nicht dauernd eine solche Szene wiederholen - da
würden die Zuschauer ganz schnell aus dem Theater rausrennen. Also frage ich Tommy in
einer Pause danach. Der Unterschied zwischen dem Theater und dem Film sei, so sagt Tommy
zu mir, dass beim Theater vor der ersten Aufführung wochenlang jeden Tag Stunde für
Stunde alles geprobt wird, bis die Schauspieler noch im Schlaf wissen, wo sie wann zu
stehen und was sie zu wem zu sagen haben. Das ist beim Film ganz anders: hier können die
Schauspieler nicht vorher proben und sehen sich manchmal am Tag des Drehs zum ersten Mal.
Gerade bei CHILI TV geht das auch nicht anders, da hier sehr viele Gastschauspieler wie
Dirk Bach, Oli P. oder Ruth Moschner auftreten, die wirklich nur an einem einzigen Tag
für den Auftritt bei Bernd Zeit haben und am Vortag bei irgendeinem ganz anderen Film
waren.
Eine Szene sollte zeigen, wie der spätere Auftritt von Bernd mit seiner Band auf der
Bühne in der Kneipe vorbereitet wird. Da stehen die zwei Wirte hinter der Theke und
spülen Gläser, die Kellnerin wischt die Tische ab und stellt Aschenbecher rauf und ein
paar Leute bereiten die Technik für den Auftritt vor. Eigentlich eine ganz einfache
Sache, denkt man. Aber Pustekuchen - insgesamt 6mal musste diese Szene aufgenommen werden,
bis der Regisseur zufrieden war. Einmal wischte die Kellnerin zu schnell, dann waren die
Wirte nicht richtig im Bild, dann wieder hatte der Kabelträger die Kabel zu tief in der
Hand, - ich war echt erstaunt, auf was alles so geachtet werden muss, damit der Regisseur
zufrieden ist. Für eine Minute Bernd, die man dann im KI.KA sehen kann, werden 60 Minuten
Drehzeit benötigt! Ihr müsst Euch das mal reinziehen und ausrechnen, wie lange all diese
Leute gearbeitet haben, damit Ihr am Sonnabend um 11:55 Uhr 25 Minuten lang Chili-TV sehen
könnt!!!
Und richtig - nur für den Auftritt von Bernd und seiner Band benötigen Tommy, Daniel
und all die ganzen Leute von 9 Uhr morgens bis 18 Uhr abends. Ich war vollkommen
erschöpft, als der Dreh beendet wurde und der Regisseur "Feierabend" rief. Aber
es hat sich gelohnt: ich habe endlich meinen Bernd, Chili und Briegel kennen gelernt,
weiß jetzt, wie anstrengend ein solcher Film beim Drehen ist - und ich konnte sogar meine
Schauspielerkarriere beginnen. Denn in einer kleinen Szene, die Ihr am 12.11.2005 um 11:55
Uhr im KI.KA sehen könnt, habe ich eine tragende Rolle...

