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Kommen drei Mann (Norman Cöster, Erik Haffner und Tommy Krappweis) zum
Sender und sagen: "Wir haben da eine tolle Idee für einen neuen Star." Sagt der
Redakteur: "Erzählt mal." Darauf die drei Männer: "Also, es ist ein
mürrisches Kastenbrot....." Ein guter Witz, dachte man. Aber nein, dieser
Anti-Spass-Guerillero, "Bernd das Brot" getauft, kam tatsächlich ins Fernsehen
und nun wird's ganz ernst für den Kultstar wider Willen. Bernd würde sagen:
"Bringen wir's hinter uns." Also gut. |
Inmitten einer grellen Fun-Event-Kultur mit lauter gehypten Mega-Emotion-Shows nimmt
sich Bernd das Brot, von Tommy Krappweis erfunden und mit nöligen Pointen munitioniert,
das Recht auf schlechte Laune. Er hat auch Grund dazu. Zuerst, weil ihn keiner je gefragt
hat, ob er überhaupt ins Fernsehen möchte, Tommy Krappweis hat ihn einfach dort
hineingebacken.
Bernd hätte sich nie für ein Casting angemeldet, NIE! Dazu kommt, dass man ihm in
seiner ersten Show, "Tolle Sachen" betitelt, zwei Partner gegeben hat, die auch
sonnigere Gemüter in die Depression getrieben hätten: Das ewige Plappermaul Chili, das
Schaf, und Briegel, den Busch, einen verrückten Erfinder. Der Dauer-Testkandidat war und
ist - Bernd natürlich, der mittlerweile auch die gefährlichen Stunts für "Chili
TV" aufgedrückt bekommen hat. Seine Laune hat das im schwarzgrauen Bereich
stabilisiert.
Bernd widersetzt sich stellvertretend für uns dem Gute-Laune-Terror, der unaufhörlich
aus dem Fernseher dröhnt und quillt. Bernd ist der subversive Verweigerer, der die
volksverdummenden Mechanismen des TV-Geschäfts, nun gut, eines Teils des TV-Geschäfts,
erkennt und benennt. Bernd deprimiert der geistlose Unfug, den seine Partner und seine
Regisseure von ihm verlangen, er schützt sich und seine Würde mit einem harten
Kontrastprogramm: "Kann ich jetzt gehen? Ich würde gerne zu Hause die Wand
anstarren." Bernd bewahrt grummelnd Haltung, wo andere sich beim Mitmachen einreden,
sie täten es frohen Sinnes. Die Muster seiner Raufasertapete und eine verlässliche
Portion Mehlsuppe, das ist alles, was Bernd, den klugen Dauerverlierer, wirklich
interessiert.
Bernd hat noch Hoffnung, diesem "schmutzigen Geschäft" eines Tages doch
wieder zu entfliehen. Aber das können wir nicht zulassen, denn wir haben ihn nötig,
dieses Backware gewordene duale System, das Kinder und Erwachsene verzückt, schlicht
alle, die nicht mitmachen wollen beim Dauergrinsen. Mit seiner Beharrlichkeit, die ihn
quasi zum Anti-Ruge adelt ("Alles wird schlecht" könnte sein Familienmotto
sein), hat sich Bernd zu unserem TV-Therapeut emporgemault.
Und wenn er aus dem Bild fliehen will, wie er es jeden Abend ab 21 Uhr so vergeblich
wie bitterkomisch versucht, müssen wir ihm also in seinen eigenen Worten sagen:
"Vergiss es!" Sorry, Bernd.