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Der Schnitt


Es antwortet Jochen Donauer.


Was genau umfaßt Dein Job?

Gedrehtes Rohmaterial/einzelne Szenen so zusammenschneiden, dass ein fertiger Film oder ein fertiger Sketch entsteht, der durch den Schnittrhythmus und das Timing zusätzlich zum eh schon geilen Drehbuch und den schauspielerischen Leistungen noch an Komik und Brillanz gewinnt.

Was mußt du da machen?

  • Rohmaterial, welches als Magnetband (z.B. DV, HDV oder Digi-Beta) vorliegt, in den Schnittcomputer einlesen (capturen), damit es (z.B. in Form von Mpg-Dateien) im PC gespeichert werden kann.
  • Rough-Cut (Rohschnitt) erstellen. Hierbei hängt man das gedrehte Material grob aneinander, um erst mal die generelle Struktur des Sketches oder Films zu erkennen. Fehlt was? Wenn ja, wurde es gedreht und nur noch nicht eingespielt? 
  • Feinschnitt erstellen. Das Material wird, zumindest vom Ablauf her, sendefähig geschnitten.
  • Fallen Effekte oder Animationen an (Beameffekt, Bumblebee-Raumschiff, künstliche Welten etc), bei denen Real-Material mit Effekten oder Animationen zusammentreffen, wird das dafür benötigte,  bereits geschnittene Material unseren FX-Leuten (z.B. Felix, Erik) übergeben, die daraus den fertigen Effekt bauen. Wenn die Jungs von der FX-Abteilung fertig sind, wird die fertige FX-Sequenz in den Schnitt mit eingebaut.

Normalerweise ist unsere Audio-Abteilung (Nico, Flo) für den kompletten Ton zuständig. Das heisst: Erst, wenn der komplette Feinschnitt erledigt ist, bekommt die Audio-Abteilung das Material, um die ganze Geschichte zu vertonen. „Komplett“ kann aber auch eine Folge von 10 Minuten bedeuten – und nicht nur eine Langfassung von 50 Minuten. Ausnahme: Wenn eine Clip-Sequenz (auf Musik geschnittene Sequenz mit viel kreativem Freiraum, was die Gestaltung betrifft) ansteht, wird schon während des Bildschnitts eine Musik ausgewählt und dazu geschnitten.

  • Wenn der Ton mit seiner Arbeit fertig ist, werden Bildschnitt und Ton vom Cutter „zusammengefahren“, so dass das fertige Produkt mit Bild und Ton vorliegt.
  • Look-Bestimmung: Mittels spezieller Software kann man den Look des Bildmaterials noch verfeinern, oder generell mit einem bestimmten optischen Charakter versehen. Wie soll meine Folge aussehen? Knallig bunt? Entsättigt? In einem bestimmten Farbton? Möchte ich das Material alt und gebraucht aussehen lassen? Soll es wie im Kino aussehen? Diese und weitere Fragen führen zum letztendlichen Look des Materials
  • Das fertige Produkt (Bild mit Effekten, Animationen, Look und natürlich Ton mit Geräuschen und Musik) liegt in digitaler Form zum „Ausspielen“ bereit. Ausgespielt wird meist auf das gängige Sendeformat beim Fernsehen, Digi-Beta, einem Magnetband.

Fertig. Noch Fragen?

Wie bist Du zu dieser Tätigkeit gekommen? 

Meine Eltern haben bei mir eine gewisse Begabung zum Cutten entdeckt. Damals war ich sechs Jahre alt und brachte mein junges Leben damit zu, die Urlaubsfilme meines Vaters auf Super8 zu schneiden.    Meine Talent fördernd, steckten mich meine Eltern dann als ich elf Jahre alt war, ins „First German Cutting-Internat“. Ein bis dato relativ unbekanntes Internat in der Lüneburger Heide, was aber damals schon renommierte Dozenten aus aller Herren Länder versammelte. Durch ständige Austauschprogramme des Internats mit Film-Schools aus Hollywood, erlernte ich in einem Zeitraum von acht Jahren die Arbeitsweise, Tricks und Kniffe der „Großen“ aus den USA.  Als „First Assistent Editing-Engineer“ durfte ich bei namhaften Kinoproduktionen aus Hollywood mitarbeiten. Als Neunzehnjähriger dann schließlich überreichte man mir bei Feierlichkeiten den „Hollywood Editing-Award“ in Platin, den bis jetzt schönsten Preis in meiner Sammlung, wie ich finde. Ab meinem 23. Lebensjahr arbeitete ich fortan als Dozent mit ständigen Aufenthalten in Sidney, Bangkok, Paris, Berlin und Hollywood, um mein Wissen zu verfeinern und neues Wissen in mich aufzusaugen. Ich glaube, ich weilte gerade in Cannes, als ich einen Anruf von Tommy Krappweis bekam, der mir das Blaue vom Himmel versprach. Ich sagte sofort zu und bin seitdem in der bummfilm….

….übrigens: Das war gerade alles gelogen. In Wahrheit hab ich Lehramt studiert. Keine Ahnung, warum ich hier bin. Ich will hier weg. Hilfe.

Was schneidest Du?

Von Tolle Sachen über Chili TV, über Specials (Robin Hood, Berndi Broter, Bumblebee, Rockt das Brot), über KI.KA XL, über Toms Test, über Schöneberger Show, über Coffee Shop, über Sketche von Freitag Nacht News, über Joint he Club, über Hella und Dirk, über Piloten, über Demos, über Videoclips, über Trailer, über und über und über und über….

Wie muß man sich das vorstellen, wenn Du einen Film schneidest?

Ich sitze in einem Raum, habe dabei meistens eine Hose an, vergesse zu trinken (soll man ja. Is ja wichtig. Mindestens drei Liter am Tag. Vergess ich immer. Dafür ess ich dann viermal so viel.) und schaue in drei verschiedene Monitore. Wenn Norm zu mir reinkommt, schreien wir ganz laut (z.B.: LLLaaaaaaa-ck-agg-agg-ckaaaaallliiiiiaaaa!), wenn der Briegel reinkommt, sprechen wir Dialekt und er erinnert mich in seiner unverwechselbaren Art daran, dass ich wieder irgendwas vergessen hab. Manchmal schreien Briegel und ich dann auch ganz laut.

Genau. So muss man sich das ungefähr vorstellen.